10.10.2026, 15:23
Hallo Zusammen,
bevor ich es vor lauter geschichtengetippel vergesse. Aufgrund des sonnigen Wetters war die Bodenheizung in der AP bereits am Mittwoch auf 32,6°C und die kleinen Nebelgespenster verschwinden ziemlich zeitnah vom GW-Dach.
Die Fortsetzungen:
III von IV. Pocahontas und Schwestern
Der Anfang ist im Beitrag vom 09.06.2025 Seite 26 #389
Wenn Krumm-Maul von den Müttern des Schwarms sprach, wurde seine Stimme sanfter, fast andächtig und seine goldenen Schuppen erweckten den Anschein als leuchteten sie von innen heraus. Die brütenden Damen, die ihre Eier wochenlang im Maul trugen, ohne selbst zu fressen, erkannte man schon von Weitem: an einem dunklen Streifen, der sich in leichtem Abwärtsbogen von einem Auge zum anderen zog, ungewohnt, wie gemalt von einer unsichtbaren Hand. „Sie tragen das Zeichen der Pocahonta", sagte Krumm-Maul, „der ersten großen Mutter, von der man nicht wusste, ob sie es wirklich war oder schon die Zweite oder gar die Dritte, denn das Geheimnis der Mäuler ist, dass sie sich alle gleichen und doch jede ihre eigene Geschichte trägt."
Hundert Eier pro hundert Gramm Körpergewicht, so wisperte man sich im Schwarm zu, und bei einer stattlichen Dame von fünfzehn Zentimetern konnten das leicht vierzig bis sechzig kleine Seelen sein, die im Dunkel des Mauls auf ihre Stunde warteten. Wochenlang verzichtete eine Pocahonta auf die Nahrung, bewachte ihre Brut mit geschlossenem Maul, bis die Minies endlich bereit waren - und manchmal, wenn die Mutter sich erschrak, spuckte sie alle auf einmal aus nur um die Minies ganz schnell wieder in ihrem Maul zu versammeln und zu beschützen und der ganze Schwarm geriet in helle Aufregung.
IV von IV. Krumm-Maul und Speedy - Ein Gespräch unter Legenden
Lesen und genießen! Das hier ist vielleicht der Anfang weiterer Geschichten. Wenn Ihr bis hier hin gelesen habt bleibt es für Euch spannend ;-)
Es geschah an einem jener Tage, an denen das Wasser im Tank besonders klar stand, so ein richtiger Rosamunde Pillcher Tag, dass eine Stimme von oben durch die Wasseroberfläche des Tillie-Tanks drang. Es war Speedy, die klügste der Damen vom Amt, die sich über den Rand des Stalls hinweg zum Fischtank vorgewagt hatte.
„Du da unten, mit den Gold glänzenden Stummel-Feder“ flüsterte Speedy in den Tank, „warum leuchten Deine Stummel-Federn so schön in der Morgensonne? Du leuchtest bis ins Innen-Amt.“
Ich war im Garten und dachte das Alwin mein Nachbar hinter dem Zaun heute irgendwie eine Fistelstimme hat. „Hoffentlich ist der nicht krank“ murmelte ich so vor mich hin.
Krumm-Maul kannte diese Stimme die immer begleitet wurde von eiligem Getrippel. Er stieg hinter dem Luftheber, seinem Lieblingsplatz herauf. „Du hast Glück eilige Dame. Wärest Du nicht die schlaueste von den Amts-Damen, ich wäre hinter dem Luftheber geblieben und hätte weiter den warmen Wasserstrom genossen. Und nein! Das sind keine Stummel-Federn, das sind Schuppen. Tauche ins Wasser und wenn Deine Lang-Schuppen nass geworden sind werden sie wie meine glänzen“ sprachs und verschwand wieder in den Tiefen des Tanks.
„Ich bin doch keine Ente“ rief Speedy empört.
„Irgendwas ist wirklich nicht richtig mit Alwins Stimme“ dachte ich, „erst krächzt der dann brummt er wie ein Pubertierender, fehlt nur noch das sich gleich seine Stimme überschlägt“ und ich wusste nicht ob ich lachen oder mir Sorgen machen sollte.
„Du da unten, mit dem schiefen Maul", rief Speedy auf einmal herab. Die Ente längst vergessend und begierig Ihre Neugierde zu befriedigen, „man erzählt sich, deine Weibchen würden ihre Eier einfach schlucken. Ist das nicht ein wenig... geizig?"
In dieser Sekunde kam ich mit der Gießkanne ins GW und blieb wie angewurzelt stehen. Redeten unsere Tiere jetzt miteinander? Rasch zog ich mich hinter das Alu-Profil der GW-AP zurück (ja ich bin so schlank), stellte die Kanne lautlos ab und spähte nur noch mit halbem Kopf um das Profil der GW-APimGW herum, aus Angst, die Beiden könnten verstummen, sobald sie mich entdeckten.
Krumm-Maul hob gemächlich den Blick. „Geizig nennst du das, gefiederte Freundin? Meine Damen tragen ihre Brut im eigenen Maul, wochenlang, ohne einen Bissen zu nehmen, bis die Minies schwimmen können. Das nennt man Fürsorge, nicht Geiz." Grollte er aus der Tiefe.
„Bei uns", entgegnete Speedy und plusterte sich stolz, „plöppt man die Eier einfach aus, fertig, die Nächste bitte. Keine Umstände, kein Theater."
„Und wer wärmt die Eier dann?", fragte Krumm-Maul spöttisch. „Wer beschützt sie vor dem „Upps“?"
„Es gibt kein „Upps“ bei uns", sagte Speedy würdevoll. „Es gibt nur den Marder, und gegen den hilft kein Maul, sondern eine solide Stalltür und ein Zaun."
Ich musste mir die Hand vor den Mund halten, um nicht laut loszuprusten. Dass der Fisch mit dem krummen Maul ernsthaft über das „Upps““ dozierte, war an sich schon komisch, aber dass die Wachtel ihm in nichts nachstand, machte es perfekt. Und bei dem Wort „Upps“ musste ich unwillkürlich an „Kurz und Dick“ denken, der damals, als der pH-Wert abstürzte, als Erster begriffen hatte, dass es nicht das Böse in der Ecke war, sondern das unsichtbare „Upps“ von oben. Ich hatte diesen tapferen Dickwanst immer für die größte Seele im ganzen Tank gehalten, und offenbar hielt Krumm-Maul es ähnlich, sonst würde er nicht seinen Namen nennen. Neu war mir allerdings die Tatsache das ein Marder um das Außen-Amt geschlichen war.
„Und wie lange dauert so eine... Maul-Schwangerschaft?", wollte Speedy wissen.
„Zwei bis drei Wochen", antwortete Krumm-Maul, „je nach Wassertemperatur."
Ich nickte unwillkürlich, hinter meinem Profil kauernd. Stimmt, dachte ich, genauso hatte ich es selbst beobachtet: Je wärmer das Wasser im GW, desto öfter und in ungezählter Menge Spukten die Minies durch die Baby-Station.
„Und wie oft legt so eine Dame?", fragte Speedy weiter.
„Alle vier bis sechs Wochen, ihr ganzes Leben lang", sagte Krumm-Maul. „Manche nennen das einen Fluch, ich nenne es Fleiß."
Eine stiller bestätigender Seufzer, den ich tunlichst für mich behielt, wäre mir fast entfleucht, denn genau dieser Fleiß war der Grund, warum ich regelmäßig Minies verschenken wollte.
„Dafür", setzte Krumm-Maul nach, „müsst ihr nicht drei Wochen hungern wie meine Damen. Die verlieren in der Brutzeit sichtbar an Gewicht, weil sie keinen Bissen anrühren."
Ich erinnerte mich sofort an die mageren Pocahontas die ich schon öfter beobachtet hatte, und nickte lautlos hinter meinem Alu-Profil, bemüht, kein Geräusch zu machen. Die Beiden hatten scheinbar wirklich keine Ahnung, dass ich zuhörte.
Speedy schüttelte nachdenklich ihr Gefieder. „Wir legen vielleicht zweihundert Eier im Jahr, du sagst, deine Weibchen tragen sechzig auf einmal im Maul, alle paar Wochen. Das klingt nach echter Arbeit."
„Dann", sagte Speedy schließlich mit einem letzten stolzen Flügelschlag, „bin ich froh, eine Wachtel zu sein und keine Tillie. Aber Respekt, Krumm-Maul. Respekt."
Und damit verschwand Speedy, sich eine Fliege schnappend, wieder Richtung Sandbad. Ich wartete noch einen Moment in meinem Versteck, ehe ich mich vorsichtig aufrichtete und nach der Gießkanne griff - genau in diesem Augenblick drehte sich Krumm-Maul im Wasser. Ganz langsam und sah mich direkt an. Kein Erschrecken, kein Davonschießen, nur dieser eine, ruhige, wissende Blick, als hätte er die ganze Zeit genau gewusst, dass ich dort hinter dem Profil kauerte und jedes Wort mitgehört hatte (ok ich bin nicht ganz so schlank wie ein Alu-Profil). Ich erwiderte den Blick, ehe sich Krumm-Maul zurück in den Schatten des Steigrohrs sinken ließ, und fragte mich, wie viel dieser Fisch eigentlich wirklich wusste.
Gruß
Stephan
bevor ich es vor lauter geschichtengetippel vergesse. Aufgrund des sonnigen Wetters war die Bodenheizung in der AP bereits am Mittwoch auf 32,6°C und die kleinen Nebelgespenster verschwinden ziemlich zeitnah vom GW-Dach.
Die Fortsetzungen:
III von IV. Pocahontas und Schwestern
Der Anfang ist im Beitrag vom 09.06.2025 Seite 26 #389
Wenn Krumm-Maul von den Müttern des Schwarms sprach, wurde seine Stimme sanfter, fast andächtig und seine goldenen Schuppen erweckten den Anschein als leuchteten sie von innen heraus. Die brütenden Damen, die ihre Eier wochenlang im Maul trugen, ohne selbst zu fressen, erkannte man schon von Weitem: an einem dunklen Streifen, der sich in leichtem Abwärtsbogen von einem Auge zum anderen zog, ungewohnt, wie gemalt von einer unsichtbaren Hand. „Sie tragen das Zeichen der Pocahonta", sagte Krumm-Maul, „der ersten großen Mutter, von der man nicht wusste, ob sie es wirklich war oder schon die Zweite oder gar die Dritte, denn das Geheimnis der Mäuler ist, dass sie sich alle gleichen und doch jede ihre eigene Geschichte trägt."
Hundert Eier pro hundert Gramm Körpergewicht, so wisperte man sich im Schwarm zu, und bei einer stattlichen Dame von fünfzehn Zentimetern konnten das leicht vierzig bis sechzig kleine Seelen sein, die im Dunkel des Mauls auf ihre Stunde warteten. Wochenlang verzichtete eine Pocahonta auf die Nahrung, bewachte ihre Brut mit geschlossenem Maul, bis die Minies endlich bereit waren - und manchmal, wenn die Mutter sich erschrak, spuckte sie alle auf einmal aus nur um die Minies ganz schnell wieder in ihrem Maul zu versammeln und zu beschützen und der ganze Schwarm geriet in helle Aufregung.
IV von IV. Krumm-Maul und Speedy - Ein Gespräch unter Legenden
Lesen und genießen! Das hier ist vielleicht der Anfang weiterer Geschichten. Wenn Ihr bis hier hin gelesen habt bleibt es für Euch spannend ;-)
Es geschah an einem jener Tage, an denen das Wasser im Tank besonders klar stand, so ein richtiger Rosamunde Pillcher Tag, dass eine Stimme von oben durch die Wasseroberfläche des Tillie-Tanks drang. Es war Speedy, die klügste der Damen vom Amt, die sich über den Rand des Stalls hinweg zum Fischtank vorgewagt hatte.
„Du da unten, mit den Gold glänzenden Stummel-Feder“ flüsterte Speedy in den Tank, „warum leuchten Deine Stummel-Federn so schön in der Morgensonne? Du leuchtest bis ins Innen-Amt.“
Ich war im Garten und dachte das Alwin mein Nachbar hinter dem Zaun heute irgendwie eine Fistelstimme hat. „Hoffentlich ist der nicht krank“ murmelte ich so vor mich hin.
Krumm-Maul kannte diese Stimme die immer begleitet wurde von eiligem Getrippel. Er stieg hinter dem Luftheber, seinem Lieblingsplatz herauf. „Du hast Glück eilige Dame. Wärest Du nicht die schlaueste von den Amts-Damen, ich wäre hinter dem Luftheber geblieben und hätte weiter den warmen Wasserstrom genossen. Und nein! Das sind keine Stummel-Federn, das sind Schuppen. Tauche ins Wasser und wenn Deine Lang-Schuppen nass geworden sind werden sie wie meine glänzen“ sprachs und verschwand wieder in den Tiefen des Tanks.
„Ich bin doch keine Ente“ rief Speedy empört.
„Irgendwas ist wirklich nicht richtig mit Alwins Stimme“ dachte ich, „erst krächzt der dann brummt er wie ein Pubertierender, fehlt nur noch das sich gleich seine Stimme überschlägt“ und ich wusste nicht ob ich lachen oder mir Sorgen machen sollte.
„Du da unten, mit dem schiefen Maul", rief Speedy auf einmal herab. Die Ente längst vergessend und begierig Ihre Neugierde zu befriedigen, „man erzählt sich, deine Weibchen würden ihre Eier einfach schlucken. Ist das nicht ein wenig... geizig?"
In dieser Sekunde kam ich mit der Gießkanne ins GW und blieb wie angewurzelt stehen. Redeten unsere Tiere jetzt miteinander? Rasch zog ich mich hinter das Alu-Profil der GW-AP zurück (ja ich bin so schlank), stellte die Kanne lautlos ab und spähte nur noch mit halbem Kopf um das Profil der GW-APimGW herum, aus Angst, die Beiden könnten verstummen, sobald sie mich entdeckten.
Krumm-Maul hob gemächlich den Blick. „Geizig nennst du das, gefiederte Freundin? Meine Damen tragen ihre Brut im eigenen Maul, wochenlang, ohne einen Bissen zu nehmen, bis die Minies schwimmen können. Das nennt man Fürsorge, nicht Geiz." Grollte er aus der Tiefe.
„Bei uns", entgegnete Speedy und plusterte sich stolz, „plöppt man die Eier einfach aus, fertig, die Nächste bitte. Keine Umstände, kein Theater."
„Und wer wärmt die Eier dann?", fragte Krumm-Maul spöttisch. „Wer beschützt sie vor dem „Upps“?"
„Es gibt kein „Upps“ bei uns", sagte Speedy würdevoll. „Es gibt nur den Marder, und gegen den hilft kein Maul, sondern eine solide Stalltür und ein Zaun."
Ich musste mir die Hand vor den Mund halten, um nicht laut loszuprusten. Dass der Fisch mit dem krummen Maul ernsthaft über das „Upps““ dozierte, war an sich schon komisch, aber dass die Wachtel ihm in nichts nachstand, machte es perfekt. Und bei dem Wort „Upps“ musste ich unwillkürlich an „Kurz und Dick“ denken, der damals, als der pH-Wert abstürzte, als Erster begriffen hatte, dass es nicht das Böse in der Ecke war, sondern das unsichtbare „Upps“ von oben. Ich hatte diesen tapferen Dickwanst immer für die größte Seele im ganzen Tank gehalten, und offenbar hielt Krumm-Maul es ähnlich, sonst würde er nicht seinen Namen nennen. Neu war mir allerdings die Tatsache das ein Marder um das Außen-Amt geschlichen war.
„Und wie lange dauert so eine... Maul-Schwangerschaft?", wollte Speedy wissen.
„Zwei bis drei Wochen", antwortete Krumm-Maul, „je nach Wassertemperatur."
Ich nickte unwillkürlich, hinter meinem Profil kauernd. Stimmt, dachte ich, genauso hatte ich es selbst beobachtet: Je wärmer das Wasser im GW, desto öfter und in ungezählter Menge Spukten die Minies durch die Baby-Station.
„Und wie oft legt so eine Dame?", fragte Speedy weiter.
„Alle vier bis sechs Wochen, ihr ganzes Leben lang", sagte Krumm-Maul. „Manche nennen das einen Fluch, ich nenne es Fleiß."
Eine stiller bestätigender Seufzer, den ich tunlichst für mich behielt, wäre mir fast entfleucht, denn genau dieser Fleiß war der Grund, warum ich regelmäßig Minies verschenken wollte.
„Dafür", setzte Krumm-Maul nach, „müsst ihr nicht drei Wochen hungern wie meine Damen. Die verlieren in der Brutzeit sichtbar an Gewicht, weil sie keinen Bissen anrühren."
Ich erinnerte mich sofort an die mageren Pocahontas die ich schon öfter beobachtet hatte, und nickte lautlos hinter meinem Alu-Profil, bemüht, kein Geräusch zu machen. Die Beiden hatten scheinbar wirklich keine Ahnung, dass ich zuhörte.
Speedy schüttelte nachdenklich ihr Gefieder. „Wir legen vielleicht zweihundert Eier im Jahr, du sagst, deine Weibchen tragen sechzig auf einmal im Maul, alle paar Wochen. Das klingt nach echter Arbeit."
„Dann", sagte Speedy schließlich mit einem letzten stolzen Flügelschlag, „bin ich froh, eine Wachtel zu sein und keine Tillie. Aber Respekt, Krumm-Maul. Respekt."
Und damit verschwand Speedy, sich eine Fliege schnappend, wieder Richtung Sandbad. Ich wartete noch einen Moment in meinem Versteck, ehe ich mich vorsichtig aufrichtete und nach der Gießkanne griff - genau in diesem Augenblick drehte sich Krumm-Maul im Wasser. Ganz langsam und sah mich direkt an. Kein Erschrecken, kein Davonschießen, nur dieser eine, ruhige, wissende Blick, als hätte er die ganze Zeit genau gewusst, dass ich dort hinter dem Profil kauerte und jedes Wort mitgehört hatte (ok ich bin nicht ganz so schlank wie ein Alu-Profil). Ich erwiderte den Blick, ehe sich Krumm-Maul zurück in den Schatten des Steigrohrs sinken ließ, und fragte mich, wie viel dieser Fisch eigentlich wirklich wusste.
Gruß
Stephan
Auch unter ### www.drehruemchen.de/aquaponik/ ### Über Rückmeldungen zur Verbesserung der Homepage würde ich mich freuen.